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Seehund

Seehund (Phoca vitulina) - Für das Leben im Wasser geschaffen

Der Seehund ist wohl die bekannteste Robbenart der nördlichen Hemisphäre. Gründe hierfür sind seine weite Verbreitung und die Tatsache, dass er ein Küstenbewohner ist, der auch vom Festland aus auf Sandbänken beobachtet werden kann. Besonders gern leben Seehunde in der Nähe von Flussmündungen, da diese auch im nördlichen Teil ihres Verbreitungsgebietes ständig eisfrei sind. Seehunde bewohnen die europäischen Küsten des Atlantiks und der Nord- und Ostsee, sowie die Atlantikküste des nördlichen Nordamerikas und die Pazifikküste Nordamerikas. Infolge der weiten Verbreitung des Seehundes unterscheidet man mehrere Unterarten.

Seehunde gehören zu den Hundsrobben (Phocoidea). Deren Anpassungen an das Leben im Wasser gehen noch weiter als die der zweiten großen Gruppe der Robben (Pinnipedia), der Ohrenrobben (Otarioidea), zu denen zum Beispiel der Kalifornische Seelöwe (Zalophus californianus) gehört. Nach den Walen (Cetacea) und den Seekühen (Sirenia) sind Hundsrobben die am besten an das Leben im Wasser angepassten Säugetiere. Ihr Körperbau ist für die Fortbewegung unter Wasser optimiert. Er ist torpedoförmig und der Kopf geht ohne einen äußerlich erkennbaren Hals in den Vorderkörper über. Die Gliedmaßen sind kurz. Die rumpfnahen Teile, wie Schulter und Oberarm, sind extrem verkürzt und in den Umriss des Rumpfes mit einbezogen, während Hände und Füße stärker ausgebildet und verbreitert sind. Zwischen den Fingern und Zehen befinden sich Schwimmhäute. Im Gegensatz zu den Ohrenrobben besitzen Seehunde kein äußeres Ohr; ihr Gehörgang kann durch Muskelkontraktion verschlossen werden. Alles, was ein möglichst reibungsloses Durchgleiten des Wassers erschweren könnte, ist nach innen gerückt. So sind bei den männlichen Tieren keine äußeren Geschlechtsorgane zu sehen; die Hoden befinden sich im Körperinneren und der Penis in einer Hautfalte. Die Wirbelsäule der Seehunde ist sehr kräftig und beweglich. Zusammen mit den hinteren Gliedmaßen sorgt der hintere Teil der Wirbelsäule durch seitliche Bewegungen für die Fortbewegung unter Wasser. Die vorderen Gliedmaßen übernehmen lediglich Steuerfunktionen. So elegant Seehunde sich im Wasser bewegen können, so unbeholfen wirken sie an Land. Im Gegensatz zu den Ohrenrobben können Hundsrobben ihre hinteren Gliedmaßen nicht unter den Körper bringen und zur Fortbewegung auf dem Land nutzen. Auch die vorderen Gliedmaßen sind nur wenig dazu geeignet. Daher "robben" Seehunde im wahrsten Sinne des Wortes mit Hilfe ihres Rumpfes.

Neben diesen mehr oder weniger äußerlichen Umgestaltungen des Seehundkörpers infolge des Lebens im Wasser, sind auch zahlreiche innere Organe von Veränderungen betroffen. Das Lungen- und Kreislaufsystem der Robben ist außergewöhnlich leistungsfähig. So besitzt ein Seehund fast doppelt soviel Blut wie ein gleichschwerer Mensch. Das Blut ist außerdem noch besonders reich an sauerstoffbindendem Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff. Dies ermöglicht es den Robben lange unter Wasser zu bleiben, ohne zum Einatmen an die Wasseroberfläche zu müssen. Den Rekord hält hierbei die Weddell-Robbe (Leptonychotes weddelli), die bis zu 600 Meter tief tauchen und 70 Minuten unter Wasser bleiben kann. All diese Anpassungen an das Leben im Wasser haben Hundsrobben sekundär erworben; als ihre Vorfahren gelten landlebende marderähnliche Tiere.

Seehunde gehören zu den kleineren Robbenarten. Ausgewachsene Männchen werden knapp zwei Meter lang und wiegen etwa 100 kg. Die Weibchen bleiben etwas kleiner. Ein beträchtlicher Teil des Gewichtes entfällt auf das Unterhautfettgewebe, den so genannten Blubber, der die Seehunde vor Auskühlung schützt. Das Fell der Seehunde ist grau mit dunkleren Flecken, die auf dem Rücken großflächig zusammenlaufen können. Je nach Vorkommen gibt es Unterschiede in der Färbung. Obwohl der Seehundpelz nur wenig Unterwolle besitzt, wurden die Tiere lange Zeit wegen ihres Felles gejagt. Auch heute ist die Jagd auf Seehunde noch in vielen Gegenden ihres Verbreitungsgebietes erlaubt. Ansonsten sind Seehunde vor allem durch die Verschmutzung der Meere gefährdet. Gerade im Bereich der Flussmündungen, wo sie sich bevorzugt aufhalten, ist das Wasser durch in den Flüssen transportierte Chemikalien stärker belastet als auf offener See. Die Folge sind Hauterkrankungen, die vielen Seehunden zu schaffen machen. Eine weitere Gefahr sind auch Störungen durch Touristen, die ohne böse Absicht die Seehundweibchen verunsichern und dazu bringen, ihre Jungen zu verlassen. Diese verwaisten Jungen werden dann zu "Heulern", so genannt wegen ihrer Rufe nach der Mutter, die an das Schreien eines Kindes erinnern. An vielen Küsten des Verbreitungsgebietes gibt es Auffangstationen für solche verlassenen Seehundbabies.

Die Seehundweibchen bringen in der Regel nur ein Junges zur Welt, das etwa vier bis sechs Wochen gesäugt wird. In dieser Zeit folgt die Mutter ihrem Kind und bewacht es. Robbenmilch ist äußerst nahrhaft und die jungen Seehunde wachsen rasant. Hin und wieder kommen auch Zwillingsgeburten vor. Da die Mutter aber nur einem Jungen folgen kann, verwaist eines der Geschwister und wird zum "Heuler". Mit der Entwöhnung endet auch bereits die Mutter-Kind-Beziehung. Die Seehundweibchen paaren sich dann erneut. Die Trächtigkeit dauert 11 Monate, so dass ein Weibchen im günstigsten Fall jedes Jahr ein Jungtier aufziehen kann. Seehunde sind zwar gesellig, lassen aber kein bestimmtes Sozialgefüge erkennen. Sie finden sich zu Gruppen zusammen, von denen sich einzelne Tiere aber wieder entfernen und neue hinzukommen können.




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